Cinema quoi? Ein Blick auf cinemacopain.ch für uns Schweizer

Kennst du das? Man will einfach mal einen Film schauen, hat aber keine Lust, stundenlang durch die Menüs von Streaming-Giganten zu scrollen, nur um dann doch wieder die zehnte Wiederholung einer Serie anzuklicken. Oder man hat diesen speziellen Arthouse-Film im Kopf, findet ihn aber nirgends im Schweizer Katalog. Da taucht dann vielleicht der Name cinemacopain.ch auf. Nicht gerade ein Begriff wie Netflix, oder? Aber genau das macht es interessant. Es ist ein kleineres, spezialisierteres Angebot, das sich explizit an Cineasten richtet – also an Leute, für die Film mehr ist als nur Hintergrundberieselung.

Cinema quoi? Ein Blick auf cinemacopain.ch für uns Schweizer

Für uns hier in der Schweiz kommt natürlich sofort die Frage: Funktioniert das überhaupt problemlos? Meine Internet-Rechnung kommt ja von der Swisscom, nicht von einem französischen Anbieter. Die kurze Antwort vorweg: Ja, die Seite läuft. Aber lohnt sich ein Abo? Dafür muss man genauer hinschauen. Wer mehr über das konkrete Angebot erfahren möchte, kann einfach diesem Link folgen und sich selbst ein Bild machen. Ich habe mir die Sache mal für euch angeschaut, mit dem typisch schweizerischen Blick aufs Detail und einer kleinen Prise Skepsis gegenüber allzu grossen Versprechungen.

was ist cinemacopain.ch überhaupt?

Stell es dir vor wie eine digitale Videothek, nur dass du die Filme nicht zurückbringen musst. Das Prinzip ist ein klassisches Flatrate-Abo: Du zahlst monatlich einen festen Betrag und kannst dafür aus einem Katalog von mehreren tausend Filmen so viele schauen, wie du willst. Der Fokus liegt klar auf dem, was man „Filmkunst“ nennt. Du wirst hier nicht den neuesten Marvel-Blockbuster finden, der gerade in den Kinos läuft. Dafür gibt es Klassiker, independent Produktionen, Dokumentarfilme und europäisches Kino, das bei den grossen Plattformen oft untergeht.

Das ist der eigentliche Clou. Während Netflix und Co. oft algorithmisch bestimmen, was populär ist, setzt cinemacopain auf kuratierte Inhalte. Das heisst, echte Menschen mit Ahnung von Film suchen die Titel aus. Für jemanden, der genug hat von der x-ten Teenager-Romanze, ist das ein frischer Wind. Es fühlt sich weniger nach Massenware und mehr nach einem gut sortierten, kleinen Kino an – eben ein „copain“, ein Kumpel, der dir gute Tipps gibt.

für wen ist das etwas und für wen eher nicht?

Jetzt wird’s konkret. Das Angebot ist nicht für jeden gemacht, und das ist okay. Wenn dein perfekter Samstagabend aus „Fast & Furious 17“ und einer Tüte Chips besteht, wirst du hier wahrscheinlich nicht glücklich. Die Zielgruppe sind diejenigen, die Filme wie „Das weisse Band“ oder „Portrait of a Lady on Fire“ nicht nur kennen, sondern sie auch sehen wollen. Es ist für Filmstudenten, für Leute, die sich für Regie oder Kameraarbeit interessieren, oder einfach für Neugierige, die ihren Horizont erweitern möchten.

Für Familien mit Kindern ist es dagegen nichts. Ein spezielles Kinderprogramm sucht man vergebens. Auch wer Wert auf Synchronisation legt, muss aufpassen. Viele der Filme sind in der Originalfassung mit Untertiteln – was für Puristen ein Plus, für andere ein Ausschlusskriterium ist. Die Untertitel sind oft auf Französisch, was für die Romandie perfekt ist, in der Deutschschweiz aber manchmal eine doppelte Denksportaufgabe bedeutet.

wie schlägt es sich mit den typisch schweizerischen Hürden?

Das ist der Punkt, wo bei uns meistens der Teufel im Detail steckt. Du kennst das vielleicht von anderen Diensten: Geoblocking, komplizierte Zahlungen, kein Support in einer Landessprache. Bei cinemacopain.ch ist die grösste Hürde die Bezahlung. Sie akzeptieren zwar Kreditkarten, aber die dominante Schweizer Lösung TWINT suchst du vergeblich. Auch eine direkte Abbuchung über PostFinance ist nicht direkt möglich. Das ist schon mal ein kleines Ärgernis, wenn man es gewohnt ist, alles per App mit einem „Piep“ zu erledigen.

Positiv ist, dass es keine Probleme mit Netzsperren gibt. Das kennst du ja aus unserer streng regulierten Casino-Welt: Nur konzessionierte Schweizer Anbieter wie Mycasino oder Swiss4Win dürfen hier legal anbieten, alles andere wird blockiert. Zum Glück ist das bei Film-Streaming nicht der Fall. Die Seite läuft stabil über unsere Leitungen, ohne dass du ein VPN brauchst. Das ist ein klarer Pluspunkt. Die Verbindung ist gut, die Qualität auch. Kein Ruckeln, selbst wenn draussen der Föhn bläst.

was kostet das Vergnügen und was bietet der Katalog?

Der Preis liegt im Bereich der grossen Player, aber nicht darüber. Es gibt verschiedene Abo-Modelle, die sich meist in der Streaming-Qualität (HD, 4K) und der Anzahl der gleichzeitig möglichen Geräte unterscheiden. Du bewegst dich grob zwischen 10 und 20 Franken im Monat. Ob sich das rechnet, hängt einzig davon ab, wie oft du den Dienst nutzt. Zwei, drei Filme im Monat, und du bist schon fast break-even, verglichen mit einer einzelnen Miete bei anderen Plattformen.

Der Katalog ist die eigentliche Stärke. Es ist, als ob du Zugang zu einer spezialisiischen Filmbibliothek hast. Du findest Werke von grossen Regisseuren, die sonst kaum auffindbar sind. Die Navigation ist thematisch und nach Genres sortiert, oft gibt es auch Empfehlungen von Redakteuren. Ein kleiner Wermutstropfen: Die Benutzeroberfläche wirkt etwas in die Jahre gekommen. Sie ist nicht so slick und intuitiv wie bei den Tech-Riesen aus den USA. Aber sie erfüllt ihren Zweck. Man findet, was man sucht, auch wenn es nicht mit hundert Animationen untermalt ist.

gibt es versteckte Fallstricke oder Ärger?

Klar, nichts ist perfekt. Ein Punkt, der mir aufgefallen ist, ist die Kündigung. Die läuft relativ unkompliziert online, aber man sollte die Fristen im Auge behalten. Einfach das Abo vergessen und sich ewig weiterabbuchen lassen – das geht nicht. Die Kommunikation ist transparent. Was aber fehlt, ist eine kostenlose Testphase. Viele Anbieter locken mit 30 Tagen gratis. Hier musst du dich gleich entscheiden und bezahlen. Das ist mutig, zeigt aber auch das Selbstbewusstsein in das eigene Angebot.

Der Support reagiert, wenn man ihn braucht. Die Antworten kommen auf Französisch oder Englisch. Für ein internationales Filmportal ist das verständlich, aber als Deutschschweizer muss man sich vielleicht kurz umstellen. Technische Probleme hatte ich persönlich kaum. Einmal hatte ein Film kurzzeitig keine Untertitel, das hat sich aber nach einem Tag von selbst gelöst. Solche Kinderkrankheiten gibt es überall.

lohnt sich ein Abo bei cinemacopain.ch also?

Am Ende des Tages kommt es auf deine Erwartungen an. Wenn du ein Mainstream-Unterhaltungsprogramm suchst, bist du hier an der falschen Adresse. Dann bleib besser bei den grossen Namen. Aber wenn du Film liebst, wenn du dich für das Kino jenseits der Billboard-Charts interessierst und gerne entdeckst, dann ist cinemacopain.ch ein echter Geheimtipp. Es füllt eine Nische, die von den Riesen sträflich vernachlässigt wird.

Die kleinen Macken – die Bezahlung ohne TWINT, die etwas altbackene Oberfläche – wiegen für mich nicht so schwer wie der einzigartige Inhalt. Es ist ein Dienst von Filmfreunden für Filmfreunde. In einer Welt des immer gleichen Algorithmus-Futters ist das eine erfrischende Abwechslung. Probier es einfach mal für einen Monat aus, wenn du neugierig bist. Schlimmstenfalls hast du ein paar Franken ausgegeben und weisst, dass es nichts für dich ist. Bestenfalls entdeckst du deinen neuen Lieblingsfilm.